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DAM als Gedaechtnistheater

DAM: Gedächtnistheater als historisches DAM

Gedächtnistheater (griech. théatron: Schauplatz, Theater). Schon immer gab es Bestrebungen durch dramatische Inszenierung von Wissen das ‘tote’ Speicherwissen der Mnemotechnik (Auswendigkeit) in die lebendige Erinnerung der Subjekte zurückzuverwandeln. Gedächtnistheater sind eine spezifische Erscheinungsform solcher Reanimationsbemühungen, die im 16. Jh. große Beachtung fanden und danach zunächst fast vollständig in Vergessenheit gerieten, in der Computermoderne jedoch eine auffällige Renaissance erfahren.

Wie sah das Gedächtnistheater aus?

In den Gedächtnistheatern stand der Zuschauer auf der Bühne, in den Rängen fand sich das gesamte Weltwissen, die kosmische Ordnung auf einem Blick. Die vorderen Ränge waren den hinteren übergeordnet und stellten den Ursprung dar. Aufgestellte Tafeln mit ikonischen Bildern. Unter jeder Tafel befanden sich Kisten voller Unterlagen zu jeder Tafel.

Was kann DAM vom Gedächtnistheater lernen?

Überblick schaffen
Eine Wissensorganisationstechnik, die sich auch in so mancher Ordnerstruktur wiederfindet. Allerdings sieht man bei der Betrachtung eines Hauptordners nicht sofort, welche Unterordner in ihm stecken – warum eigentlich nicht? Auch könnten die Ordner ikonischer sein – auf jedem Ordner ein Symbol, welches den Inhalt andeutet, ähnlich den App-Icons. Das sind alles Visualisierungshilfen einer topographischen Datenpräsentation. Sie geben den Daten Raum. Es entstehen Konventionen des kollektiven Gedächtnisses, Metadaten, wenn man so will. Wie schon Hegel beobachtete, läuft „in diesem Versuche zu ordnen alles aufs Unordentlichste durcheinander“. Deshalb braucht es eine weitere Komponente.

Erinnern
Das Gedächtnistheater war aber nicht nur Ordnungsmodell, sondern auch Aufführungsgeschehen. Sie haben den rituellen gegenüber dem kognitiven Ansatz betont, es ging also nicht nur darum, Wissen zu repräsentieren, sondern auch darum, dieses als Handlungen zu performieren. Diese Vorstellung bringt uns dazu, Inhalte im digitalen Gedächtnis nicht mehr als statische Speicherobjekte, sondern als Akteure in wechselseitigen Inszenierungen zu sehen. Übertragen auf DAM geht es darum, dass das ‘tote’ Speicherwissen der Mnemotechnik im Kopf des Users noch lebendig bleibt. Es ist schwierig, eine allgemeine Ordnung im DAM auswendig zu lernen, wenn man diese nicht mehr mit den Besonderheiten, den einzelnen Daten in dieser Ordnung verbinden kann. Das individuelle Erinnerungsvermögen muss angeregt werden. Umso wichtiger wird es hier, mit Icons und Bezeichnungen zu arbeiten, die die User selbst erarbeitet haben, mit denen sie etwas verbinden. Die Datenmengen sind längst in einer Weise angewachsen, dass die Ambition einer übersichtlichen Anordnung im DAM, die allgemeine Gültigkeit hat, zum Scheitern verurteilt ist. Es braucht individuelle Bezugspunkte zum Kopf der User – und seien diese noch so eigen. Die Zukunft sieht wahrscheinlich ohnehin so aus, dass sich das Userinterface und die Ordnungsstruktur im DAM dem jeweils individuellen User anpassen. Ein gemeinsamer Arbeitsablauf hilft schon mal, eine gemeinsame Ordnung im DAM zu finden. Das sollte aber niemals ein User alleine tun.

Ein ähnliches Prinzip gilt übrigens bei der Erstellung von Produktfilmen im B2B Marketing. Der Realfilm wird mit einfachen und klaren ikonischen Oberflächen angereichert, welche die Informationen strukturieren und mit denen der Betrachter arbeiten kann. Sie heben das Besondere des Realfilms auf eine allgemeinere Ebene des Modells, welches der Kunde auf das eigene Unternehmen übertragen kann. Denn es geht nicht um die reine Rezeption des Videos, sondern um aktives Mit- und Weiterdenken des potentiellen B2B Kunden, um die gedankliche Annahme des Angebots, um den Kauf.

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